3. März 2024
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Gänsehaut beim Benefizkonzert in der Brennerei

KIERSPE (mk) Für sich betrach­tet war es eine fröh­li­che Ver­an­stal­tung mit einer Men­ge Musik in der his­to­ri­schen Bren­ne­rei. Doch das Kon­zert, zu dem die “Rön­sah­ler Specht­bu­ben” am ver­gan­ge­nen Frei­tag, 29. Dezem­ber, ein­ge­la­den hat­ten, war einem trau­ri­gen Anlass geschul­det: Zwei Fami­li­en ver­lo­ren im nahe­ge­le­ge­nen Wip­per­fürth-Ohl ihr Heim. Ein ver­hee­ren­der Brand zer­stör­te nur weni­ge Tage vor Weih­nach­ten zwei Wohn­häu­ser. Auch eine Gara­ge und ein Car­port, mit ins­ge­samt drei Autos dar­in. Doch das ist neben­säch­lich, denn zwei Fami­li­en mit ins­ge­samt sechs Kin­dern ver­lo­ren ihr Dach über dem Kopf.

Sofort wird Unter­stüt­zung orga­ni­siert: Das Feu­er war noch nicht gelöscht, da lie­fen sei­tens der Stadt Wip­per­fürth die ers­ten Hilfs­maß­nah­men auf Hoch­tou­ren. Auch der Bür­ger­ver­ein Ohl-Klas­wip­per sam­mel­te Spen­den wie Möbel und Klei­dung für die Betrof­fe­nen. Und im benach­bar­ten Rön­sahl fackel­te man nicht lan­ge und über­leg­te, wie man den bei­den Fami­li­en hel­fen kann. Kur­zer­hand wur­de ein Bene­fiz­kon­zert geplant. Der Ein­tritt war gra­tis, obgleich die meis­ten der geschätz­ten 250 Besu­che­rin­nen und Besu­cher wohl auch dafür gern in die Tasche gegrif­fen hät­ten.

Dem Män­ner­chor “Rön­sah­ler Specht­bu­ben” kön­nen dank der Unter­stüt­zung zahl­rei­cher Spon­so­ren den kom­plet­ten Umsatz der Geträn­ke und des Würst­chen­ver­kau­fes an die bei­den Ohler Fami­li­en spen­den. Um die Bewir­tung konn­ten sich die Sän­ger aller­dings nicht selbst küm­mern, denn sie waren ja wesent­li­cher Teil des musi­ka­li­schen Pro­gramms. Dafür stan­den die “Rön­sah­ler Wein­hörn­chen” char­mant und fleis­sig bereit. Vol­le Unter­stüt­zung beka­men die sin­gen­den Spech­te beim “Haus­herrn”, dem Ver­ein His­to­ri­sche Bren­ne­rei e.V. Und das bekannt­lich auf kur­zem Dienst­weg, da der frü­he­re Vor­sit­zen­de Horst Becker selbst im Chor mit­singt.

Bemer­kens­wert ist, auf wel­chen Wegen das musi­ka­li­sche Pro­gramm für das Bene­fiz-Kon­zert Form annahm. Aus Hal­ver kam der dort ansäs­si­ge Pro­jekt­chor Ober­brüg­ge / Ehring­hau­sen mit der­art vie­len Sän­ge­rin­nen und Sän­gern, dass der Platz auf der Büh­ne lang­sam so knapp wie die Flä­che für das Publi­kum wur­de. Eine klei­ne, fei­ne Beset­zung gab es mit zwei jun­gen Damen: Lisa & Lidia Tsy­ka­rish­vi­li san­gen, am Kla­vier beglei­tet von Sofia Wawer­la, die auch die Specht­bu­ben musi­ka­lisch führt. Peter Wald­helm sang, und wur­de recht spon­tan von sei­nem Vater Die­ter beglei­tet: Erst am Mit­tag kam die Idee auf, gemein­sam den auch durch Sina­tra bekann­ten Klas­si­ker “My Way” zu per­for­men. Damit war das Line-Up des Abends noch nicht kom­plett: Der Reichs­ho­fer Rei­ner Urba­nek, Künst­ler­na­me “Don Tin­to” griff zum Saxo­phon bevor “Stimm­Sa­la­bim” auf die Büh­ne kam. Horst Becker kam anschlie­ßend solo auf die Büh­ne, bevor die Specht­bu­ben den zwei­ten Teil ihres Pro­gramms prä­sen­tier­ten. Den Abschluss bil­de­te die Hal­ve­ra­ner Com­bo “Rück­blick Band”, die selbst spon­tan auf die Specht­bu­ben zuka­men. Die musi­ka­li­sche Aus­rich­tung des Abends bot für vie­le Geschmä­cker etwas: Von Weih­nachts­lie­dern aus dem eng­lisch­spra­chi­gen Raum bis zu Wes­tern­ha­gens Frei­heit war vie­les dabei: Bunt und abwechs­lungs­reich, und stets gelun­gen!

Doch die wah­ren Gän­se­haut­mo­men­te gab es zwi­schen­drin: Bei der Eröff­nungs­an­spra­che vom Specht­bu­ben Kevin Stu­ben­rauch, der sich bei den Gäs­ten aber auch bei den groß­zü­gi­gen Spon­so­ren bedank­te. Ähn­li­ches war auch von Rön­sah­ls Orts­bür­ger­meis­ter Hol­ger Scheel zu hören, der noch ein­mal berich­te­te, was sich in der dra­ma­ti­schen Nacht zuge­tra­gen hat­te. Beson­ders emo­tio­nal wur­de es, als Betrof­fe­nen selbst ans Mikro tra­ten: Sowohl Pas­cal Fritz­sche als auch Tarek Thab­ti, die vom Brand betrof­fe­nen Fami­li­en­vä­ter, kamen in die Bren­ne­rei, um sich per­sön­lich für die Unter­stüt­zung zu bedan­ken. Thab­ti, der sei­ne Fami­lie mit­brach­te, zeig­te sich begeis­tert von der Hilfs­be­reit­schaft: “Ich bin über­wäl­tigt und geschockt von der Anteil­nah­me”. Der Vater von vier Kin­dern schien äußer­lich den Schre­cken der Brand­nacht ver­ar­bei­tet zu haben und wirk­te sogar fröh­lich. Er dank­te in sei­ner Anspra­che aus­drück­lich auch dem Bür­ger­ver­ein Ohl-Klas­wip­per und der Stadt Wip­per­fürth. Deren Bür­ger­meis­tern Anne Loth kam eben­falls als Gast zum Bene­fiz­kon­zert. Die herz­li­che Umar­mung zeigt: Hier füh­len sich die Betrof­fe­nen von den Behör­den kei­nes­wegs im Stich gelas­sen!

Wie nun die Zukunft aus­sieht, ist unklar. Pas­cal Fritz­sche berich­te­te, dass er bereits im engen Kon­takt mit Sach­ver­stän­di­gen und der Ver­si­che­rung stün­de: “Ob wir in einem oder in zwei Jah­ren wie­der zurück kön­nen, wis­sen wir nicht. Die Ver­si­che­rung über­legt, ob ein kom­plet­ter Neu­bau nicht sinn­vol­ler sei”, so der Fami­li­en­va­ter. Immer­hin habe man aber noch man­che per­sön­li­che Hab­se­lig­kei­ten aus dem Haus ret­ten kön­nen. Ein Glücks­fall, der emo­tio­nal auf dem lan­gen Weg des Neu­an­fangs hel­fen kann. Damit die­ser nicht so stei­nig wird, gibt es eine Men­ge Unter­stüt­zung. Wie­viel das Bene­fiz­kon­zert dazu bei­tra­gen kann, wird sich in den kom­men­den Tagen zei­gen, wenn die Rön­sah­ler Specht­bu­ben einen Kas­sen­sturz machen.

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