22. Juli 2024
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Bei erfolgreicher Großübung zur Bekämpfung von Waldbränden auch Verbesserungspotential erkannt

Um 14.15 Uhr verkündete Michael Kling das Ende der Großübung im Areal zwischen der Meinerzhagener Sprungschanze und den „Aggerkurven“. Der Kreisbrandmeister, der hier auch Einsatzleiter war, zeigte sich zufrieden, denn die Ziele wurden erreicht.

Bei der Aktion, an der am Samstag, 14. Oktober, rund 150 Einsatzkräfte aus etlichen Städten und Gemeinden des Märkischen Kreises teilnahmen, wurde die Zusammenarbeit der einzelnen Feuerwehren trainiert, doch es sollte auch Verbesserungspotential aufgespürt werden. Das sei dringend nötig, da die Vegetationsbrände immer heftiger würden. Größer von der Fläche her, und auch schwieriger zu bekämpfen.

Für die Großübung habe man eine Agenda geschrieben, die man Punkt für Punkt abgearbeitet habe. Ein ganz wichtiger Punkt sei die Kommunikation mit den „luftgestützten Einheiten“, nämlich dem Polizeihubschrauber, der mit einem sogenannten Aussenlastbehälter die Löscharbeiten aus der Luft unterstützen kann.

Dass ausgerechnet Polizeihubschrauber für derartige Einsätze „zweckentfremdet“ werden, hat mehrere Gründe: Zum einen ist die Polizei eine staatliche Institution, die im Notfall per Amtshilfe sofort unterstützen kann, zum anderen fliegen bei der Landespolizei vergleichsweise leistungsfähige Helikopter: Der Airbus H145 sieht dem bislang beim ADAC eingesetzten Modell EC135 sehr ähnlich, kann aber deutlich mehr Nutzlast transportieren. Der Aussenlastbehälter wiegt über 800 Kilogramm, wenn er komplett mit Wasser gefüllt ist. 

Für die Piloten sind derartige Einsätze eine spannende Abwechslung, zumal ein Beamter der Crew beim Flug aussen auf der Kufe der „Hummel“ steht, um die Wasseraufnahme und auch das Löschen selbst zu koordinieren. Um derartige, durchaus anspruchsvolle Manöver zu fliegen, mussten die Piloten im Vorfeld eine Zusatzausbildung machen. Am Samstag wurde gleich aus zwei verschiedenen „Quellen“ Löschwasser entnommen: Sowohl aus der Agger-Talsperre, als auch aus einem Löschwasserbecken. 

Auch wenn das Löschen aus der Luft nur unterstützen kann, ist es nötig und willkommen. Für die Polizei ergibt sich eine neue Aufgabenstellung, die gerne und nicht nur mit dem Hubschrauber wahrgenommen wird. So waren bei Waldbränden im nahegelegen Gummersbach sogar Wasserwerfer im Einsatz, die eigentlich für andere Einsätze konstruiert wurden, sich aber sogar beim Kampf gegen Waldbrände bewährt haben. Wer allerdings glaubt, Polizeihubschrauber seien bei Großlagen zur Erkundung sowieso im Einsatz und könnten bei der Gelegenheit auch löschen, irrt. Das stellte einer der Piloten Im Gespräch klar: „In solchen Fällen brauchen wir zwei Hubschrauber. Erkunden und löschen gleichzeitig geht nicht, alleine schon aus Gewichtsgründen.“ Trotz der höheren Leistung des Helikopter-Modells würde bei Löschflügen nur die nötigste Technik mitgeführt.

Während die Flugmanöver der Hummel viele Blicke auf sich zog, leisteten auch die weiteren Einsatzkräfte ganze Arbeit. In verschiedenen Einsatzabschnitten wurden auch die klassischen Löschangriffe geübt, vor allem auch der Aufbau der Wasserversorgung. Das ist gerade bei Waldbränden ein wichtiges Thema, da hier oft lange Strecken überwunden werden müssten. Auch wird bei solchen Einsatzlagen sehr schnell überörtliche Unterstützung benötigt, und die Zusammenarbeit der verschiedenen Feuerwehren war bei der Großübung ein wesentliches Thema. 

Eines, bei dem sich der Kreisbrandmeister sehr zufrieden zeigt: „Wir sehen bereits jetzt, dass wir einen einheitlichen Ausbildungsstandard haben“, erklärte Kling. So würden die Einheiten des Märkischen Kreises mittlerweile identische Ausbildungen durchlaufen, was die Arbeit „Hand in Hand“ fördern würde. Ausserdem wurde bei der Übung neue Ausrüstung eingesetzt, die angeschafft worden war, um den Herausforderungen Stand zu halten. Dazu zählen auch die sogenannten „Kreisregner“. Obwohl diese im Besitz des Märkischen Kreis sind, hat die Bezeichnung einen völlig anderen Ursprung. Wie ein Kamerad der Feuerwehr Menden erklärt, handelt es sich hier um ein bewährtes Bewässerungssystem, was auch bei der Brandbekämpfung wichtig wird: „Hiermit können wir einen Kreis von zehn Meter Durchmesser bewässern“. Zum Löschen reiche das zwar nicht, wohl aber um eine Riegelstellung aufzubauen. Diese soll bisher unbeschadete Bereiche vor etwaigen Bränden schützen.

Für die Feuerwehrleute aus Meinerzhagen, Kierspe, Halver, Herscheid, Lüdenscheid, Menden, Plettenberg sowie Nachrodt-Wiblingwerde, der Kreisleitstelle sowie Experten von „Wald und Holz NRW“ ging ein anstrengender, aber auch spannender Übungstag zu Ende. Dass die Flüge des Polizeihubschraubers viel Aufmerksamkeit auf sich zog, wurde wohlwollend aufgenommen. Im Gegenteil: Die Einsatzkräfte ließen sich selbst davon begeistern. 

Mehr als nur eine Übung war die Aktion für die Ehrenamtlichen des Malteser Hilfsdienstes. Die waren nämlich aus Werdohl und Lüdenscheid angerückt, um für eine anständige Verpflegung zu sorgen. Auch dieser „Übungspunkt“ konnte erfolgreich abgehakt werden.

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