13. Juni 2024
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„Enkeltrick“ schiefgelaufen: Bankdaten der Betrüger landen postwendend bei der Polizei

KIERSPE (mk) Eigentlich sollte niemand mehr, der sich in der Lage sieht, Onlinebanking zu betreiben, auf diesen Trick hereinfallen: Es meldet sich ein Fremder, der sich als das eigene Kind oder der eigene Enkel ausgibt, und versucht mit haarsträubenden Geschichten, die angeblich neue, weil fremde Rufnummer zu erklären.

Die Masche ist nicht völlig frei von einem gewissen Unterhaltungswert, solange man nicht selbst gutgläubig darauf hereinfällt. Denn die Masche ist perfide, weil sie einerseits mit den Ängsten und Gefühlen von zumeist älteren Menschen spielt, die alles tun, um ihrem Kind oder Enkelkind aus einer Notlage zu helfen.

Die Variante, die mir, dem Betreiber von mein-kierspe.de, vor einigen Tagen selbst „vor die Flinte“ kam, ist noch eine der eher harmloser formulierten. Die Kontaktaufnahme erfolgte per SMS, ich möge per WhatsApp antworten. Das alte Handy sei ins Klo gefallen, aber immerhin versichert. Allerdings könnten ganz dringende Überweisungen deshalb nicht selbst getätigt werden. Nun, mein Mitgefühl hinsichtlich des ertrunkenen Mobiltelefons hielt sich in Grenzen, und was die Überweisungen betrifft: Weder wurde ein bedrohliches Szenario gezeichnet, noch sollte ich das Geld verschenken. Lediglich für ein paar Tage vorstrecken. Der Betrag allerdings war happig, es ging um rund 2000 Euro. Wofür? Ich wollte es nicht wissen, erstrecht nicht, aus welcher Quelle ich es umgehend zurückerhalten sollte.

Womit Trickbetrüger „Thorsten“ in diesem Fall offenbar nicht konkret gerechnet hat: Ich bin nicht sein Vater, und das war mir natürlich auch bei der ersten SMS zur Kontaktaufnahme klar. Allerdings war ich neugierig, weshalb ich versuchte, die Bankdaten zu ergattern, auf die ich per Sofortüberweisung zahlen sollte. Mit einigen Tricks habe ich „Thorsten“ bei Laune gehalten und Zeit gewonnen – und diese genutzt, um die Polizei einzuschalten.

Die Bankdaten sind für die Kripo sehr wertvoll: Nachdem „Thorsten“ mir diese übermittelte, habe ich sofort Strafanzeige gegen Unbekannt erstattet. Allerdings ist meine Methode nicht unbedingt für die Allgemeinheit zu empfehlen, diesbezüglich hat mir auch die Beamtin ins Gewissen geredet, die meine Anzeige aufnahm. Schließlich muss befürchtet werden, dass es mal zu einer persönlichen Bedrohung durch die Trickbetrüger kommt.

Vermutlich bin ich in diesem Fall ein Zufallskontakt, die Absendernummer ist in meinem Umfeld auch ein weiteres Mal aufgetaucht. Derartige Betrügereien werden in ganz großem Stil betrieben, im regelrechten Call-Center-Betrieb. Nicht jede Konstellation ist so leicht durchschaubar: Oft werden betagte, womöglich einsame Mitmenschen um ihren Besitz gebracht. Mit abenteuerlichen Räuberpistolen, die aber ihre Wirkung nicht verfehlen, und bei denen von Betrügern der letzte Rest von Anstand über Bord geworfen wird.

Da erklären angebliche Verwandte, sie seien in tödliche Unfälle verwickelt und müssten sich „freikaufen“ oder etwa Kaution leisten. Mitunter wird erklärt, dazu könne auch der wertvolle Familienschmuck abgeholt werden: Tatsächlich kann es durchaus zu einer persönlichen, gefährlichen Begegnung zwischen Opfer und Täter kommen.

Um diesen Delikten vorzubeugen, klärt die Kriminalpolizei sehr umfangreich in ihrem Informationsportal auf. Nicht nur über diese Masche, sondern auch über andere, leider immer wieder aktuelle Betrugsmethoden:

https://www.polizei-beratung.de/themen-und-tipps/betrug/enkeltrick/

In einem weiteren Artikel werde ich berichten, was die Polizei, aber auch Banken tun, um mit aufgeflogenen Empfänger-Daten noch Geld der Opfer sicherzustellen. Haben Banken die Möglichkeit, Konten einzufrieren? Ich habe Kontakt mit den heimischen, aber auch mit überregionalen Geldinstituten aufgenommen und werde in einer Fortsetzung dazu schreiben.