2. März 2024
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„Enkeltrick“ schiefgelaufen: Bankdaten der Betrüger landen postwendend bei der Polizei

KIERSPE (mk) Eigent­lich soll­te nie­mand mehr, der sich in der Lage sieht, Online­ban­king zu betrei­ben, auf die­sen Trick her­ein­fal­len: Es mel­det sich ein Frem­der, der sich als das eige­ne Kind oder der eige­ne Enkel aus­gibt, und ver­sucht mit haar­sträu­ben­den Geschich­ten, die angeb­lich neue, weil frem­de Ruf­num­mer zu erklä­ren.

Die Masche ist nicht völ­lig frei von einem gewis­sen Unter­hal­tungs­wert, solan­ge man nicht selbst gut­gläu­big dar­auf her­ein­fällt. Denn die Masche ist per­fi­de, weil sie einer­seits mit den Ängs­ten und Gefüh­len von zumeist älte­ren Men­schen spielt, die alles tun, um ihrem Kind oder Enkel­kind aus einer Not­la­ge zu hel­fen.

Die Vari­an­te, die mir, dem Betrei­ber von mein-kierspe.de, vor eini­gen Tagen selbst „vor die Flin­te“ kam, ist noch eine der eher harm­lo­ser for­mu­lier­ten. Die Kon­takt­auf­nah­me erfolg­te per SMS, ich möge per Whats­App ant­wor­ten. Das alte Han­dy sei ins Klo gefal­len, aber immer­hin ver­si­chert. Aller­dings könn­ten ganz drin­gen­de Über­wei­sun­gen des­halb nicht selbst getä­tigt wer­den. Nun, mein Mit­ge­fühl hin­sicht­lich des ertrun­ke­nen Mobil­te­le­fons hielt sich in Gren­zen, und was die Über­wei­sun­gen betrifft: Weder wur­de ein bedroh­li­ches Sze­na­rio gezeich­net, noch soll­te ich das Geld ver­schen­ken. Ledig­lich für ein paar Tage vor­stre­cken. Der Betrag aller­dings war hap­pig, es ging um rund 2000 Euro. Wofür? Ich woll­te es nicht wis­sen, erst­recht nicht, aus wel­cher Quel­le ich es umge­hend zurück­er­hal­ten soll­te.

Womit Trick­be­trü­ger „Thors­ten“ in die­sem Fall offen­bar nicht kon­kret gerech­net hat: Ich bin nicht sein Vater, und das war mir natür­lich auch bei der ers­ten SMS zur Kon­takt­auf­nah­me klar. Aller­dings war ich neu­gie­rig, wes­halb ich ver­such­te, die Bank­da­ten zu ergat­tern, auf die ich per Sofort­über­wei­sung zah­len soll­te. Mit eini­gen Tricks habe ich „Thors­ten“ bei Lau­ne gehal­ten und Zeit gewon­nen – und die­se genutzt, um die Poli­zei ein­zu­schal­ten.

Die Bank­da­ten sind für die Kri­po sehr wert­voll: Nach­dem „Thors­ten“ mir die­se über­mit­tel­te, habe ich sofort Straf­an­zei­ge gegen Unbe­kannt erstat­tet. Aller­dings ist mei­ne Metho­de nicht unbe­dingt für die All­ge­mein­heit zu emp­feh­len, dies­be­züg­lich hat mir auch die Beam­tin ins Gewis­sen gere­det, die mei­ne Anzei­ge auf­nahm. Schließ­lich muss befürch­tet wer­den, dass es mal zu einer per­sön­li­chen Bedro­hung durch die Trick­be­trü­ger kommt.

Ver­mut­lich bin ich in die­sem Fall ein Zufalls­kon­takt, die Absen­der­num­mer ist in mei­nem Umfeld auch ein wei­te­res Mal auf­ge­taucht. Der­ar­ti­ge Betrü­ge­rei­en wer­den in ganz gro­ßem Stil betrie­ben, im regel­rech­ten Call-Cen­ter-Betrieb. Nicht jede Kon­stel­la­ti­on ist so leicht durch­schau­bar: Oft wer­den betag­te, womög­lich ein­sa­me Mit­men­schen um ihren Besitz gebracht. Mit aben­teu­er­li­chen Räu­ber­pis­to­len, die aber ihre Wir­kung nicht ver­feh­len, und bei denen von Betrü­gern der letz­te Rest von Anstand über Bord gewor­fen wird.

Da erklä­ren angeb­li­che Ver­wand­te, sie sei­en in töd­li­che Unfäl­le ver­wi­ckelt und müss­ten sich „frei­kau­fen“ oder etwa Kau­ti­on leis­ten. Mit­un­ter wird erklärt, dazu kön­ne auch der wert­vol­le Fami­li­en­schmuck abge­holt wer­den: Tat­säch­lich kann es durch­aus zu einer per­sön­li­chen, gefähr­li­chen Begeg­nung zwi­schen Opfer und Täter kom­men.

Um die­sen Delik­ten vor­zu­beu­gen, klärt die Kri­mi­nal­po­li­zei sehr umfang­reich in ihrem Infor­ma­ti­ons­por­tal auf. Nicht nur über die­se Masche, son­dern auch über ande­re, lei­der immer wie­der aktu­el­le Betrugs­me­tho­den:

https://www.polizei-beratung.de/themen-und-tipps/betrug/enkeltrick/

In einem wei­te­ren Arti­kel wer­de ich berich­ten, was die Poli­zei, aber auch Ban­ken tun, um mit auf­ge­flo­ge­nen Emp­fän­ger-Daten noch Geld der Opfer sicher­zu­stel­len. Haben Ban­ken die Mög­lich­keit, Kon­ten ein­zu­frie­ren? Ich habe Kon­takt mit den hei­mi­schen, aber auch mit über­re­gio­na­len Geld­in­sti­tu­ten auf­ge­nom­men und wer­de in einer Fort­set­zung dazu schrei­ben.

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