2. März 2024
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“Nie wieder ist jetzt”: 600 Menschen setzen in Meinerzhagen Zeichen gegen rechts

MEINERZHAGEN (mk) Es könn­ten sogar deut­lich mehr Teil­neh­mer gewe­sen sein, doch Mit-Orga­ni­sa­tor Rolf Pusch­kars­ky und die beglei­ten­den Poli­zis­ten kamen nach der Mahn­wa­che am Don­ners­tag, 1. Febru­ar auf dem Otto-Fuchs-Platz über­ein­stim­mend auf die­se Zahl. Ohne­hin über­trifft die­se die Erwar­tun­gen, und der Platz vor der Mei­nerz­ha­ge­ner Stadt­hal­le war voll. Mit jun­gen Men­schen, sogar Kin­dern, aber zum gro­ßen Teil auch mit Men­schen, deren Eltern das Drit­te Reich haut­nah mit­er­lebt haben. Men­schen, die den der­zei­ti­gen Rechts-Ruck der Gesell­schaft und den immer offe­ner gezeig­te faschis­ti­sche Hal­tung nicht für mög­lich gehal­ten hät­ten.

So wie in vie­len Tei­len Deutsch­lands for­miert sich nun auch im Vol­me­tal Wider­stand gegen die­ses poli­ti­sche Abdrif­ten. “Eigent­lich viel zu spät,” wie Rolf Pusch­kars­ky in sei­ner Begrü­ßung erklär­te, und bezog sich dabei natür­lich nicht auf die Uhr­zeit, son­dern dar­auf, dass Demo­kra­ten bes­ser viel eher auf die Stra­ße gegan­gen wären. Er sprach in einer Dop­pel­rol­le: Als SPD-Frak­ti­ons­vor­sit­zen­der im Mei­nerz­ha­ge­ner Rat, als auch in sei­ner Funk­ti­on als Vor­sit­zen­der des hie­si­gen AWO Orts­ver­eins. Die­ser hat­te mit der SPD zusam­men zu der Mahn­wa­che auf­ge­ru­fen. Die Lis­te der betei­lig­ten Insti­tu­tio­nen ist lang.

Mit-Orga­ni­sa­tor Rolf Pusch­kars­ky begrüß­te die Teil­neh­mer. Fotos: Mar­kus Klüm­per

Für Bür­ger­meis­ter Jan Nes­sel­rath, der zunächst die ver­sam­mel­ten Men­schen um ein Geden­ken an die dra­ma­ti­schen Ereig­nis­se vom Ska­ter-Platz bat, war die Betei­li­gung selbst­ver­ständ­lich. In sei­ner Anspra­che erklär­te Nes­sel­rath, er sei zum einen als Bür­ger­meis­ter her­ge­kom­men, “zum ande­ren auch als Bür­ger die­ser Stadt und als Mensch.” Ihm geht es um Mit­mensch­lich­keit, um Demo­kra­tie und um Frei­heit. Demo­kra­ti­sche Grund­wer­te, die er in Gefahr sieht: “Gren­zen im Sagen und Han­deln wer­den immer offen ver­scho­ben, Extre­me wer­den salon­fä­hig”, so das Ober­haupt der Stadt Mei­nerz­ha­gen. Sein Appell: “Machen Sie von Ihrem Wahl­recht gebrauch!”

Chris­ti­na Först (Initia­ti­ve Stol­per­stei­ne) mahn­te an die Fol­gen, wenn Faschis­ten in Deutsch­land zuviel Macht bekä­men. Sie erin­ner­te an rechts­extre­mis­ti­sche Anschlä­ge wie in Mölln oder Solin­gen. Holo­caust-Leug­nern begeg­net Först mit aktu­el­ler Umgangs­spra­che: “Ausch­witz ist Fakt, kein Fake.” Den Demons­tran­ten auf dem Otto-Fuchs-Platz erklär­te sie “Dass Sie alle heu­te hier sind, ist Fakt. Kein Fake!”

Der Land­tags­ab­ge­ord­ne­te Gor­dan Dudas nahm direkt die AfD ins Visier: “AfD-Poli­tik bedeu­tet Unsi­cher­heit, Gewalt, Ver­trei­bung, Hass, Het­ze und wirt­schaft­li­cher Bank­rott.” Die AfD sei ein gro­ßes Unglück für Deutsch­land, so der SPD-Poli­ti­ker in sei­ner Rede. Sei­ne Befürch­tung: “Wer die Demo­kra­tie ver­schläft, wacht in der Dik­ta­tur wie­der auf!”

Obgleich dies nach den Wor­ten von Pusch­kars­ky kei­ne par­tei­po­li­ti­sche Ver­an­stal­tung sein soll­te, erklär­te Mat­thi­as Scho­land (CDU Mei­nerz­ha­gen), man müs­se auch Ursa­chen für die aktu­el­le Lage fra­gen: “Wenn bes­se­re Poli­tik gemacht wür­de, dann stän­den wir nicht hier.” Die­se Aus­sa­ge kann selbst­kri­tisch ver­stan­den wer­den, mög­li­cher­wei­se aber auch als Sei­ten­hieb auf die Regie­rungs­par­tei­en in Bun­des­tag. Dass nicht weni­ge Men­schen in Deutsch­land mit der Poli­tik der Bun­des­re­gie­rung unzu­frie­den sind, ist kein Geheim­nis. Unter den Demons­tran­ten dürf­te aber Einig­keit geherrscht haben, dass dies kein Anlass sein darf, extre­me Par­tei­en zu wäh­len und dem Faschis­mus Türen zu öff­nen.

Der evan­ge­li­sche Pfar­rer Klaus Kem­per-Kohl­ha­se räum­te ein, auf die Anfra­ge, an die­sem Abend zu spre­chen, gezö­gert zu haben. Die­se Zögern mach­te er zum The­ma sei­ner kur­zen Anspra­che und zitier­te den bekann­ten Pfar­rer Mar­tin Niem­öl­ler: “Als sie mich hol­ten, gab es kei­nen mehr, der pro­tes­tie­ren konn­te.” Kem­per-Kohl­ha­se sieht es als sei­ne christ­li­che Pflicht, der AfD ent­ge­gen­zu­tre­ten.

Auch Bir­git Claus (Bünd­nis 90 / Die Grü­nen) sieht in die­ser Par­tei eine gro­ße Gefahr: “Die AfD zeigt immer mehr ihr wah­res Gesicht. Wir müs­sen dem Rechts­extre­mis­mus die rote Kar­te zei­gen.” Dem schließt sich auch der SPD-Kreis­tags­ab­ge­ord­ne­te Fabi­an Fer­ber an, der auch erklär­te, wel­che Fol­gen die Abschie­bungs-Plä­ne der AfD haben könn­ten. Damit wären sogar Men­schen wie sei­ne eige­ne Toch­ter betrof­fen, die eine dop­pel­te Staats­bür­ger­schaft hät­ten.

Der ehe­ma­li­ge Haupt­schul­leh­rer Albert Schmidt beschrieb mul­ti­kul­tu­rel­le Schü­ler­schaft als bunt und leben­dig: “Wir waren inter­na­tio­nal.” Der Päd­ago­ge for­der­te, der AfD den Geld­hahn der Par­tei­en­fi­nan­zie­rung zuzu­dre­hen, es kön­ne nicht sein, dass für deren Unsinn Mil­lio­nen flös­sen. Eigent­lich sei­en alle faschis­ti­schen Grup­pie­run­gen ohne­hin ver­bo­ten und ver­wies auf das “Pots­da­mer Abkom­men” von 1945: “Da kann sich kei­ner raus­re­den”, so Schmidt.

Mit sei­nen abschlie­ßen­den Wor­ten dank­te Rolf Pusch­kars­ky den Teil­neh­mern: “Sie haben mit die­ser Ver­an­stal­tung Ihr Zei­chen gesetzt.” Eine Ver­an­stal­tung, die abso­lut geord­net und fried­lich ver­lief, womit die anwe­sen­den Poli­zei­be­am­te und Kräf­te des Ord­nungs­am­tes im Grun­de auch gerech­net haben. Die hat­ten wäh­rend der Kund­ge­bung allen­falls mit der Käl­te zu kämp­fen, konn­ten aber völ­lig ent­spannt blei­ben.

Hin­ge­wie­sen wur­de am Schluss auch auf die Kund­ge­bung, zu der am Sams­tag, 10. Febru­ar vom “Bünd­nis für Demo­kra­tie und Viel­falt” zur Kier­sper Gesamt­schu­le ein­ge­la­den wird. Ab 10 Uhr geht es dort los.

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