3. März 2024
KierspeMeinerzhagenVolmetal

KuK feiert Weihnachten mit Musik und Satire — und hochkarätigen Künstlern!

Streng genom­men ist Mat­thi­as Bon­gard zwar mehr Jour­na­list als Künst­ler, und als sol­cher ähn­lich bekannt wie Fritz Ecken­ga als fuß­ball­af­fi­ner Kaba­ret­tist. Aber das sind Neben­säch­lich­kei­ten. Bei­de woll­ten sich jeden­falls nicht zu Weih­nach­ten schen­ken, war ja dem Titel des Büh­nen­auf­trit­tes zu ent­neh­men, mit dem sie am ver­gan­ge­nen Mitt­woch, 13. Dezem­ber, die ziem­lich gut gefüll­te Mei­nerz­ha­ge­ner Stadt­hal­le in Fest­tags­stim­mung brach­ten. Die ging natür­lich auch auf das Kon­to ihre Büh­nen­part­ne­rin Char­lot­te Bran­di, die wie ange­kün­digt sang und am Kla­vier — Ver­zei­hung — am Flü­gel spiel­te.
Das mach­te die Dort­mun­der Musi­ke­rin so gelun­gen, dass ihr die Her­zen der rund 450 Zuschau­er nur so zuflo­gen. Dar­über hin­aus war sie dra­ma­tur­gisch eng in die Show ein­ge­bun­den, und hat­te einen weit höhe­ren Anteil als zunächst ange­kün­digt. Die Vor­ankün­di­gung für den Auf­tritt ließ ohne­hin Raum für Spe­ku­la­tio­nen. Es konn­te der Ein­druck ent­ste­hen, Ecken­ga und Bon­gard wür­den sich ähn­lich eines alten Ehe­paa­res oder einer advents­frus­trier­ten Wohn­ge­mein­schaft prä­sen­tie­ren. Dass bei­de sich pri­vat als Nach­barn bes­ser ken­nen als durch ihre beruf­li­chen Akti­vi­tä­ten wür­de die­se The­se sogar stüt­zen. Zutref­fend war sie aller­dings nicht.
Der Abend war eine abwechs­lungs­rei­che Mischung aus Lesun­gen wirk­lich kurio­ser Tex­te, die teil­wei­se sogar der Welt­li­te­ra­tur zuge­ord­net wer­den dür­fen, Musik und aber­wit­zi­gen Dia­lo­gen.

Zunächst oute­te sich der Wahl-Dort­mun­der Bon­gard als Vol­me­tal-Ken­ner, was wie gewohnt in einer Spit­ze gegen den Nach­bar­ort Kierspe ende­te. Die ja schließ­lich mit Kenn­zei­chen “K” auf dem Park­platz an der Stadt­hal­le ste­hen wür­den. Oder “HVB” für “Hin­ters­te Vorn­berg”. Damit war der Lokal­ko­lo­rit aber schon weit­ge­hend erschöpft. Nicht ohne einen Dämp­fer für die Stadt, in der Bon­gard auf­ge­wach­sen ist: Hier defi­nier­te er den Stand­ort des Hit-Mark­tes als Stadt­gren­ze, emp­fahl immer­hin zum Bücher­kauf zwei bekann­te Kier­sper sowie Mei­nerz­ha­ge­ner Bücher­lä­den auf­zu­su­chen.
Das Pro­gramm muss­te aller­dings nicht erst regio­nal ange­passt wer­den: Dies war exklu­siv für Mei­nerz­ha­gen und ist auf die aus­drück­li­che Ein­la­dung des KuK-Ver­eins ent­stan­den. Aus­ge­rech­net im Früh­jahr, qua­si kurz vor Ostern, began­nen die drei Künst­ler damit, das Pro­gramm des Abends “zusam­men­zu­stri­cken”.
Es wur­den Bücher gewälzt, Gedich­te und Geschich­ten gele­sen, die teils ein gro­tes­ken Licht auf das Weih­nachts­fest war­fen, man­chen viel­leicht auch an die eige­ne Kind­heit erin­ner­ten.
Und dass Kin­der zu Weih­nach­ten dazu­ge­hö­ren, wur­de auch anhand eines Tex­tes von Tors­ten Strä­ter fest­ge­stellt. Wobei in die­sem Zusam­men­hang auch von Char­lot­te Bran­di beschlos­sen wur­de, dass Tex­te die­ses Kaba­ret­tis­ten nur von Strä­ter selbst, oder eben von Fritz Ecken­ga vor­ge­tra­gen wer­den soll­ten. Der wie­der­um ließ es sich nicht neh­men, auch das The­ma Fuß­ball in den Abend zu brin­gen. Dass die letz­te Fuß­ball-WM in Katar ziem­lich genau in der Advents­zeit aus­ge­tra­gen wor­den war, bot ihm den rich­ti­gen Auf­hän­ger. Obgleich er ein­räum­te, er habe an die­ser WM noch weni­ger teil­ge­nom­men, als die deut­sche Mann­schaft.

In der Rol­le des Weih­nachts­baum­ver­käu­fers bril­lier­te er aller­dings auch, oder bes­ser gesagt, in der eines Aktio­närs, der dem in die alte Rol­le eines 1‑Li­ve-Radio­re­por­ters geschlüpf­ten Bon­gard völ­lig uner­war­te­te Ant­wor­ten gab. Dass der Ver­käu­fer sich geschäft­lich lie­ber den Akti­en von Rüs­tungs­kon­zer­nen wid­met und den Tan­nen-Han­del eher als Abschrei­bungs­ob­jekt sieht, war kaum zu erah­nen.
Auch Tie­re wur­den in den Vor­trä­gen erwähnt. Nicht etwa in der berech­tig­ten War­nung vor leben­den Geschen­ken, eher hin­sicht­lich ihres Plat­zes auf der fest­li­chen Spei­se­kar­te: So wur­de appel­liert “ost­eu­ro­päi­schen Tie­ren ein war­mes Zuhau­se zu geben”, womit aber auf die Gans im Ofen ange­spielt wur­de. Eher mit­lei­dig wur­de der Karp­fen bedacht, als fest­ge­stellt wur­de, “Mann und Fisch hät­ten den Abend lie­ber anders ver­bracht”. Ähn­lich der Wert­schät­zung, die Jäger dem erleg­ten Wild ent­ge­gen­brin­gen, soll­ten “Bra­ten einen Namen” erhal­ten: “Ute gab für Euch ihr Leben.“
Wert­vol­le (Über­le­bens-) Tipps gab es selbst­ver­ständ­lich auch für die Aus­wahl geeig­ne­ter Geschen­ke. So wur­den Blu­sen als Minen­feld ein­ge­stuft, beson­ders ein Fehl­griff bei der Kon­fek­ti­ons­grö­ße kön­ne schlim­me Fol­gen haben.
Zwi­schen­zeit­lich gab Fritz Ecken­ga Ein­bli­cke in die eige­ne Ruhr­ge­biets-Kind­heit, die hof­fent­lich nicht zu auto­bio­gra­phisch waren: Wäh­rend der Ver­weis auf “fleisch­las­ti­ge Ernäh­rung” nicht unbe­dingt Mit­leid beim Publi­kum aus­lös­te, war die Vor­stel­lung eines Gemein­schafts­ge­bis­ses für die gan­ze Fami­lie nicht appe­tit­lich.
Es war ein lan­ger, den­noch kurz­wei­li­ger Abend in der Mei­nerz­ha­ge­ner Stadt­hal­le. Dem Publi­kum wur­den viel Gro­tes­kes prä­sen­tiert, da wirk­ten die Brie­fe von “saft­lo­sen Wer­be­arsch” Hel­mut an sei­ne Ver­flos­se­ne “Spe­cki” Sybil­le fast schon lebens­nah.
Hohe Erwar­tun­gen wur­den mit der Ein­la­dung an die Dort­mun­der Musi­ke­rin Char­lot­te Bran­di geweckt. Dass sie mit Ecken­ga und Bon­gard auf der Büh­ne stand, ist dem zufäl­li­gen, pri­va­ten Kon­takt zu ver­dan­ken. Die Sän­ge­rin und Pia­nis­tin bril­lier­te mit Inter­pre­ta­tio­nen von Sinead O´Connors “Dan­ny Boy” genau­so wie Arm­strongs “Won­derfull world”, trotz völ­lig ande­rer Stimm­la­ge. Mutig wie über­zeu­gend war sie bei John Len­nons Klas­si­ker “Ima­gi­ne”, dass sie nach eige­nem Bekun­den zum ers­ten Mal sang. Mit den bei­den Büh­nen­part­nern wur­de aber zum Ende des Auf­tritts ein wesent­lich ein­fa­che­rer Titel gewählt: Das Sau­er­land­lied. Unüb­lich für einen sol­chen Anlass, ist aber nie unpas­send.

Nicht am Schluss, son­dern als Intro hat sich der KuK-Vor­sit­zen­de Rolf Muck geäu­ßert. Der frot­zel­te zunächst auch hin­sicht­lich des Pro­gramm­ti­tels: “Das wir nix geschenkt haben, haben Sie beim Ein­tritt gemerkt”. Dank­bar zeig­te sich Muck aber vor den vol­len Rän­gen, denn mit dem gelun­ge­nen Weih­nachts­spe­cial geht nach sei­nem Bekun­den ein sehr erfolg­rei­ches Jahr für den Ver­ein zu Ende, und ver­weist auf rund 5000 Besu­cher der dies­jäh­ri­gen KuK-Ver­an­stal­tun­gen. Der Emp­feh­lung, sich das neue Pro­gramm für das ers­te Halb­jahr 2024 hin­sicht­lich poten­ti­el­ler Weih­nachts­ge­schen­ke anzu­se­hen, dürf­te man­cher Gast des Abends ger­ne nach­kom­men.

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