3. März 2024
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CBD-Shop schließt nach eineinhalb Jahren — Betreiber gibt Stadt Mitschuld

KIERSPE (mk) Dass Geschäfts­mo­del­le schei­tern, ist nichts unge­wöhn­li­ches. Dass es ins­be­son­de­re Unter­neh­men an der Köl­ner Stra­ße in Kierspe in vie­ler­lei Hin­sicht nicht leicht haben, ist bekannt und nach­voll­zieh­bar. Unge­wöhn­lich klingt aber der Vor­wurf, den der Inha­ber des Kier­sper CBD-Shops der Stadt in einem State­ment auf sei­nem Face­book-Pro­fil macht. Nach nur ein­ein­halb Jah­ren zieht der Betrei­ber des Fach­ge­schäf­tes für Zube­hör für den Can­na­bis-Kon­sum die Reiß­lei­ne, und fühlt sich von der Ver­wal­tung im Stich gelas­sen.
Der Sohn des Geschäfts­in­ha­bers, der selbst im Laden mit­ar­bei­tet, erklärt im Gespräch mit MEIN KIERSPE, wel­che Unter­stüt­zung aus dem Rat­haus er ver­miss­te. Nament­lich genannt wer­den möch­te er nicht, spricht aber offen über das, was in sei­nen Augen schief­ge­lau­fen ist.
Zunächst kris­tal­li­siert sich her­aus: In dem Unter­neh­men gegen­über des Hage­bau­mark­tes pas­sen meh­re­re Fak­to­ren nicht mehr, und die Ver­kehrs­be­las­tung auf der Köl­ner Stra­ße spielt dabei offen­bar nur eine völ­lig neben­säch­li­che Rol­le. Ent­schei­den­der ist wohl: Ein Geschäfts­part­ner sei­nes Vaters sei im ver­gan­ge­nen Som­mer aus­ge­stie­gen, und die Arbeit sei für ihn und sei­nen Vater nun kaum noch zu stem­men.
Das wesent­li­che Pro­blem sieht er aber vor allem dar­in, dass der Plan, “Can­na­bis-Modell­stadt” zu wer­den, sei­tens des Kier­sper Rates ver­wor­fen wur­de. Ohne den lega­li­sier­ten Ver­kauf von Can­na­bis-Pro­duk­ten habe das Geschäft kaum eine Grund­la­ge, der Han­del mit Zube­hör oder den in Deutsch­land lega­len HHC-Pro­duk­ten brin­ge nicht genug Umsatz. Von der Stadt Kierspe sei man ent­täuscht, dass der Plan der Grü­nen ein­fach fal­len gelas­sen wor­den ist.
Nun befürch­ten Vater und Sohn, dass statt­des­sen Nach­bar­or­te sich dar­um bemü­hen, soge­nann­te “Can­na­bis-Modell­stadt” zu wer­den, so dass ande­re CBD-Shops in den jewei­len Orten das Geschäft mit ent­spre­chen­de Sub­stan­zen und auch dem ent­spre­chen­den Zube­hör machen wür­den. Der Sohn des Inha­bers wähn­te sich der Unter­stüt­zung ver­schie­de­ner Frak­tio­nen sicher, und war nach eige­nem Bekun­den völ­lig von der Ableh­nung über­rascht.
Abge­se­hen davon, dass meh­re­re, völ­lig ver­schie­de­ne Aspek­te zur Auf­ga­be des Ladens füh­ren, scheint der Betrei­ber hin­sicht­lich der poli­ti­schen Ent­wick­lung wohl zu hoch gepo­kert zu haben, denn ein etwa­iges Bemü­hen, aus Kierspe eine der­ar­ti­ge Modell­stadt zu machen, steck­te eh noch im abso­lu­ten Früh­sta­di­um und war vor­ran­gig der Wunsch der Grü­nen im Stadt­rat. Mit einer Sit­zung des Aus­schus­ses für “Demo­gra­fie, Fami­lie und Sozia­les” am war das Vor­ha­ben am 7. Novem­ber dann auch vom Tisch, wor­an Doret­te Vor­mann-Berg stell­ver­tre­tend auf die Nach­fra­ge an Bür­ger­meis­ter Olaf Stel­se erin­ner­te. Dabei wäre sei­ner­zeit sowie­so nichts beschlos­sen wor­den, wor­aus sich in abseh­ba­rer Zeit ein kom­mer­zi­el­les Geschäfts­mo­dell hät­te ent­wi­ckeln las­sen kön­nen. Der Antrag der Grü­nen-Frak­ti­on ziel­te ledig­lich dar­auf ab, wohl­wol­lend die wei­te­re Ent­wick­lung der Gesetz­ge­bung abzu­war­ten und gege­be­nen­falls die Modell­stadt-Bewer­bung durch die Ver­wal­tung zu beschlie­ßen. Aller­dings gab es aus ande­ren Frak­tio­nen mas­si­ven Gegen­wind: Ein Argu­ment ziel­te bei­spiels­wei­se auf das in Kierspe feh­len­de, aber für die­ses Vor­ha­ben nöti­ge Gesund­heits­amt ab, ein ande­res the­ma­ti­sier­te die Gefah­ren im Umgang mit Betäu­bungs­mit­teln.
Selbst im bes­ten Fal­le hät­ten die Betrei­ber des CBD-Shops eine lang­jäh­ri­ge Durst­stre­cke über­ste­hen müs­sen, um von einer etwa­igen Can­na­bis-Lega­li­sie­rung zu pro­fi­tie­ren. So lan­ge wol­len sie nicht mehr war­ten: Ohne einen kon­kre­ten Tag zu nen­nen, soll der Laden Ende Dezem­ber schlie­ßen. Bis dahin kön­nen Kun­den noch von Abver­kaufs­prei­sen pro­fi­tie­ren.

Fotos: Mar­kus Klüm­per

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