15. April 2024
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Stolpersteine wieder komplett: Vermisster Stein bei Hausdurchsuchung aufgetaucht

KIERSPE (mk) Der erns­te Hin­ter­grund erlaubt kein Schmun­zeln, eine gewis­se Iro­nie lässt sich der Sache jedoch nicht abspre­chen: Der Stol­per­stein, der im Febru­ar am Ham­mer­kamp abhan­den gekom­men war, ist wie­der auf­ge­taucht. Er war tat­säch­lich gestoh­len wor­den, obwohl zwei wei­te­re am Tat­ort ver­blie­ben waren. Die Tat mach­te sprach­los. Ein poli­ti­scher bezie­hungs­wei­se anti­se­mi­ti­scher Hin­ter­grund wur­de befürch­tet, wes­halb auch der Staats­schutz ermit­tel­te. Nun ist der ver­miss­te Stein im Rah­men einer Haus­durch­su­chung von der Poli­zei sicher­ge­stellt wor­den, die aller­dings wegen Ermitt­lun­gen zu völ­lig ande­ren Straf­ta­ten durch­ge­führt wor­den war.

Wei­ße Rosen wur­den bei der Andacht an den Stol­per­stei­nen nie­der­ge­legt. Fotos: Mar­kus Klüm­per

So konn­ten am ver­gan­ge­nen Mitt­woch, 27. März, alle drei Stol­per­stei­ne wie­der ein­ge­setzt wer­den. Fast an der­sel­ben Stel­le, nun aber wesent­lich dieb­stahl­si­che­rer, wie Bür­ger­meis­ter Olaf Stel­se im Rah­men einer klei­nen Gedenk­ver­an­stal­tung am Diens­tag, 2. April, erklär­te. Dazu hat­ten Chris­ti­na und Diet­mar Först von der Initia­ti­ve “Stol­per­stei­ne Mei­nerz­ha­gen” gela­den, die im Jah­re 2017 auch die Mahn­ma­le für Erich Heß, sei­ne Mut­ter Ber­tha Rachel und ihren Mann Hein­rich Rachel ein­set­zen ließ. Der gestoh­le­ne Stol­per­stein war der, der an Ber­tha Rachel erin­nert. Die Tat mach­te im Febru­ar fas­sungs­los, und konn­te nun eher zufäl­lig auf­ge­klärt wer­den.

Die Poli­zei ist sich ziem­lich sicher, dass die Tat offen­sicht­lich nicht poli­tisch moti­viert war, wor­über sich auch Olaf Stel­se sehr beru­higt zeig­te. Sei­tens der Stadt war man eher von Van­da­lis­mus als von einem Dieb­stahl aus­ge­gan­gen, und noch jetzt lie­gen die Hin­ter­grün­de im Dun­keln. Aller­dings war es in der Zwi­schen­zeit gelun­gen, einen Ersatz zu bekom­men: Der Künst­ler Gun­ter Dem­nig, ursprüng­li­cher Schöp­fer des Stol­per­stein-Kon­zep­tes, hat­te in kür­zes­ter Zeit einen neu­en Stein ange­fer­tigt. Regu­lär beträgt der Vor­lauf min­des­tes sechs oder gar acht Mona­te. Auf­grund der beson­de­ren Situa­ti­on hat der Künst­ler inner­halb von zehn Tagen einen neu­en Stein ange­fer­tigt.

Nun sind alle drei Stol­per­stei­ne am Ham­mer­kamp wie­der ver­eint. Fotos: Mar­kus Klüm­per

Dar­über ist man aber kei­nes­wegs unglück­lich, denn der neue Gedenk­stein soll nun als Anschau­ungs­ob­jekt bei­spiels­wei­se in Schu­len die­nen, wäh­rend der Ori­gi­na­le wie­der ein­ge­setzt wor­den ist. Im Rah­men der klei­nen Andacht nutz­te Chris­ti­na Först den neu­en Stein, um eini­gen Vor­ur­tei­len zu begeg­nen: “Der Stein kos­tet gera­de ein­mal 120 Euro, und zwar inklu­si­ve Beschrif­tung und Ver­le­gung”, klärt Först auf. Und dabei spie­le der Markt­wert nur eine völ­lig unter­ge­ord­ne­te Rol­le. Dieb­stahl loh­ne daher über­haupt nicht. Wie beim neu­en Exem­plar zu sehen ist, besteht der Stein im wesent­li­chen aus Beton, der Mes­sing­an­teil besteht nur aus einer dün­nen Plat­te.

Daher war es auch kein Pro­blem, den Ersatz zu finan­zie­ren: “Wir haben ganz schnell aus­rei­chen­de Spen­den von Pri­vat­leu­ten zusam­men­be­kom­men”, war von Chris­ti­na Först zu erfah­ren. Dass die von der Stadt Kierspe aus­ge­lob­te Beloh­nung für Hin­wei­se zur Wie­der­be­schaf­fung des gestoh­le­nen Stol­per­steins nicht aus­be­zahlt wer­den braucht, dürf­te auch nicht wei­ter ins Gewicht fal­len, hat aller­dings einen bit­te­rem Bei­geschmack: “Ver­mut­lich müs­sen wir das Geld noch im Lau­fe des Jah­res im Zusam­men­hang mit ande­ren Straf­ta­ten aus­ge­ben”, befürch­tet Bür­ger­meis­ter Stel­se.

Die drei Stol­per­stei­ne am Hau­ner­busch sind jeden­falls wie­der kom­plett. Dass der ori­gi­na­le Stein wie­der zurück ist, wirkt nicht zuletzt auch ästhe­tisch, denn so ergibt sich ein stim­mi­ges, ein­heit­li­ches Bild. Teil­ge­nom­men hat­ten an der Andacht auch meh­re­re Akti­ve der in Mei­nerz­ha­gen und Kierspe akti­ven Stol­per­stein-Initia­ti­ve. Die brauch­teN den Ersatz aller­dings nicht mit heim­zu­neh­men, denn der eben­falls anwe­sen­de Mar­kus Gor­ecki hat sofort die Gele­gen­heit ergrif­fen, um den Stein im sozia­len Bür­ger­zen­trum Hand in Hand aus­zu­stel­len.

Hier geht es zum ursprüng­li­chen Bericht über den Dieb­stahl des Stol­per­steins: