15. April 2024
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Filipp unter großer Anteilnahme beigesetzt

MEINERZHAGEN (mk) Die Trau­er­fei­er und die anschlie­ßen­de Beer­di­gung dürf­ten die größ­ten gewe­sen sein, die Mei­nerz­ha­gen in der jün­ge­ren Ver­gan­gen­heit erlebt hat. Als Filipp Ser­geyev am Diens­tag, 13. Febru­ar, auf dem evan­ge­li­schen Fried­hof Mei­nerz­ha­gen bei­gesetzt wur­de, ström­ten Men­schen­mas­sen an das Grab ober­halb der Fried­hofs­ka­pel­le. Mit etwa 500 bis 600 Men­schen wur­den gerech­net, die Erwar­tung hat­te sich auch als rea­lis­tisch erwie­sen.
Zur Trau­er­fei­er fand sich die Fami­lie am spä­ten Vor­mit­tag in der Evan­ge­li­ums-Chris­ten-Bap­tis­ten-Gemein­de in der Hei­ne­stra­ße ein. Beglei­tet von Ver­wand­ten, Freun­den, der Gemein­de und zahl­lo­sen Weg­ge­fähr­ten. Es kamen vie­le Men­schen, die eben­falls um den 16-Jäh­ri­gen trau­ern und mit­füh­len. Spür­bar war der Zusam­men­halt in der Gemein­de, in der Filipps Fami­lie umsorgt wird. Ein solch gro­ßer Abschied ist kei­ne ein­fa­che Auf­ga­be, den­noch dürf­te der völ­lig rei­bungs­lo­se Ablauf eine gro­ße Erleich­te­rung in einer der schwers­ten Stun­den des Lebens gewe­sen sein.

Der geschmück­te Sarg des getö­te­ten Teen­agers. Fotos: Mar­kus Klüm­per

Auf dem Fried­hof wur­den die Men­schen­strö­me noch deut­lich sicht­ba­rer: Unzäh­li­ge Gleich­alt­ri­ge woll­ten von dem jun­gen Mann Abschied neh­men, der am Sams­tag, 10. Febru­ar, sei­nen unheil­ba­ren Ver­let­zun­gen im Kran­ken­haus erle­gen war. Unter den Trau­er­gäs­ten war auch Mei­nerz­ha­gens Bür­ger­meis­ter Jan Nes­sel­rath. Am offe­nen Grab wur­de er um eine Anspra­che gebe­ten, in der der drei­fa­che Vater bekun­de­te, wie geschockt er selbst durch die Ereig­nis­se sei, und dass zwei­fel­los Kon­se­quen­zen dar­aus gezo­gen wür­den. Die wur­den von sei­nem Vor­red­ner auch sehr aus­drucks­stark gefor­dert. Dabei han­del­te es sich um Cars­ten Stahl, einem fern­seh­be­kann­ten Anti-Mob­bing-Akti­vis­ten, der sich gegen alle Facet­ten von Gewalt gegen Kin­der und Jugend­li­che enga­giert. Stahl wur­de vom Filipps ältes­tem Bru­der kon­tak­tiert, und hat umge­hend sei­ne Teil­nah­me an ver­schie­de­nen Aktio­nen in Mei­nerz­ha­gen zuge­sagt.

Bür­ger­meis­ter Jan Nes­sel­rath drück­te in einer Anspra­che sei­ne Bestür­zung über die Ereig­nis­se aus.

Stahl sieht den Tod des Teen­agers als eine Fol­ge kol­lek­ti­ven Ver­sa­gens, viel frü­her hät­te dem Jun­gen wirk­sam gehol­fen wer­den müs­sen. Ob zwi­schen der töd­li­chen Schlä­ge­rei im Skate­park und Angrif­fen in der Ver­gan­gen­heit ein direk­ter Zusam­men­hang besteht, ist der­zeit Gegen­stand der poli­zei­li­chen Ermitt­lun­gen. Unstrit­tig ist aller­dings, dass Mob­bing und kör­per­li­che Gewalt all­ge­gen­wär­tig sind, und drin­gend gehan­delt wer­den muss.

Auch der Anti-Mob­bing-Akti­vist Cars­ten Stahl nahm an der Beer­di­gung teil

Auch die Bei­set­zung blieb unge­stört und ohne Zwi­schen­fäl­le. Eine fried­vol­le Beer­di­gung, bei der weder Poli­zei noch Ord­nungs­amt benö­tigt wur­den. Die waren am Mor­gen noch in der Hei­ne­stra­ße unter­wegs, um bei etwa­igen Ver­kehrs­pro­ble­men oder ande­ren Stö­run­gen ein­zu­grei­fen. Die gab es aller­dings nicht, und für das logis­ti­sche Geschick der Hel­fer hat­ten die Beam­ten viel Lob übrig.
Die Fami­lie von Filipp hat­te einen sehr schwe­ren Tag zu bewäl­ti­gen. Bis sie anfan­gen kön­nen, das Gesche­he­ne ver­ar­bei­ten, wird noch viel Zeit ins Land gehen. Maß­geb­lich dürf­te dazu sein, dass die Kri­mi­nal­po­li­zei die Ereig­nis­se am Abend des 30. Janu­ar auf­klärt. In die­ser tra­gi­schen Geschich­te müs­sen noch eini­ge Kapi­tel geschrie­ben wer­den.

Hier der Bericht zum Trau­er­marsch, der abends durch die Mei­nerz­ha­ge­ner Innen­stadt zog:

https://www.mein-kierspe.de/volmetal/trauermarsch-zum-skatepark-mit-hunderten-teilnehmern/