2. März 2024
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Kiersper Feuerwehr blickt auf ein Jahr ohne “Großschadenslagen” zurück

KIERSPE (mk) Das neue Jahr ist nun weni­ge Tage alt, und die Feu­er­wehr zieht Bilanz. Exakt 222 Ein­sät­ze haben die drei Kier­sper Lösch­zü­ge im ver­gan­gen Jahr absol­viert. Das waren neun mehr als zuvor in 2022. Eine Mehr­be­las­tung resul­tiert dar­aus aber nicht, wie Chris­ti­an Schwan­ke in einem Pres­se­ge­spräch beton­te: “Wir haben kei­ne ganz gro­ßen Gebäu­de­brän­de gehabt, auch die Unwet­ter-Ein­sät­ze waren nicht sehr auf­wän­dig.” Vor allem hin­sicht­lich etwa­iger Wald­brän­de war es ruhig: Mit exakt drei sind ver­gleichs­wei­se weni­ge ent­spre­chen­de Ein­sät­ze in der Sta­tis­tik auf­ge­führt, die oben­drein auch rela­tiv klein waren.
Zu den spek­ta­ku­lä­ren Ein­sät­zen zähl­ten zwei­fels­oh­ne die Ret­tung einer Per­son aus der Jubach-Tal­sper­re sowie die bei­den Spren­gun­gen von Geld­au­to­ma­ten. Die Was­ser­ret­tung ging zum Glück gut aus, nach den Auto­ma­ten­spren­gun­gen konn­te die Feu­er­wehr wenig tun. Bemer­kens­wert auch die drei Tier­ret­tun­gen: Eine Kat­ze muss­te bin­nen weni­ger Tage gleich zwei­mal hin­ter­ein­an­der aus einer Not­la­ge befreit wer­den!

Gleich zwei­mal kurz hin­ter­ein­an­der muss­te die­ser “Stu­ben­ti­ger” geret­tet wer­den! Foto: Mar­kus Klüm­per

Dar­über hin­aus gab es die typi­schen Ein­sät­ze, die die Feu­er­wehr mal mehr, mal weni­ger beschäf­ti­gen: Hil­fe bei Ver­kehrs­un­fäl­len, aus­ge­lau­fe­ne Betriebs­mit­tel und aus­ge­lös­te Brand­mel­de­an­la­gen. Tür­öff­nun­gen sowie Tra­ge­hil­fe-Alar­mie­run­gen neh­men auf­grund der Alters­ent­wick­lung in der Bevöl­ke­rung zu. Ein Trend der auch vor der Feu­er­wehr Kierspe nicht Halt macht. 35-mal klin­gel­te des­we­gen im Jahr 2023 der Mel­der bei den Ehren­amt­li­chen. Von den bei­den Ver­miss­ten­su­chen ist den Feu­er­wehr­leu­ten eine beson­ders in Erin­ne­rung geblie­ben: Der Gesuch­te wur­de am nächs­ten Mor­gen in einem Lini­en­bus in Engels­kir­chen ange­trof­fen. Wohl­be­hal­ten und gesund!

Bei zwölf Alar­mie­run­gen lau­te­te das Stich­wort “Brand am Gebäu­de”. Die Absi­che­rung von Ret­tungs­hub­schrau­ber­lan­dun­gen, die Hil­fe bei Gas­ge­ruch oder bei anschla­gen­den Heim­rauch­mel­dern wird in der Sta­tis­tik unter “Sons­ti­ges” geführt und führ­te in 20 Fäl­len zum Aus­rü­cken der Feu­er­wehr. Was dar­über hin­aus ins Auge stach: Fünf PKW-Brän­de. Beson­ders rund um den Bir­ken­weg ste­hen immer wie­der Autos lich­ter­loh in Flam­men!

PKW-Brän­de gab es im ver­gan­gen Jahr auf­fäl­lig häu­fig in Kierspe. Foto: Mar­kus Klüm­per

Wie es im neu­en Jahr wer­den wird, ist eine Fra­ge, die sich nur durch das sprich­wört­li­che “Glas­ku­gel­rei­ben” beant­wor­ten lie­ße. Wald­brän­de kön­nen schnell Dimen­sio­nen anneh­men, die den Per­so­nal- und Mate­ri­al­ein­satz bei gro­ßen Indus­trie­brän­den in den Schat­ten stel­len. Ähn­li­ches gilt für Unwet­ter­la­gen. Die­se erklä­ren auch für das Jahr 2021 den sta­tis­ti­schen Aus­rei­ßer nach oben: “In dem Jahr hat­ten wir 286 Ein­sät­ze”, berich­tet Pres­se­spre­cher Schwan­ke. Resul­tie­rend aus den Ein­sät­zen auf­grund des Jahr­hun­dert-Unwet­ters im Juli.
Wesent­lich plan­ba­rer sind aller­dings Inves­ti­tio­nen. Doch wann genau die drei neu­en “MTF” auf Basis von Ford Klein­bus­sen gelie­fert wer­den, ist noch nicht ganz klar. Immer­hin soll­ten die­se bereits im ver­gan­ge­nen Jahr über­ge­ben wer­den. Auch beim neu­en Gerä­te­haus der Lösch­grup­pe Voll­me kommt es zu Ver­zö­ge­run­gen, denn die Umla­ge ist noch nicht fer­tig. Das sei aber wet­ter­be­dingt und nicht dra­ma­tisch, denn das alte Gerä­te­haus sei ja wei­ter­hin nutz­bar, so Schwan­ke.
Über­haupt ist die Kier­sper Wehr hin­sicht­lich der Aus­stat­tung nach eige­nem Bekun­den inzwi­schen auf einem guten Stand. Die Erneue­rung des Fuhr­parks ist weit­ge­hend abge­schlos­sen. Es wur­de sogar beschlos­sen, den alten Uni­mog der Lösch­grup­pe Neu­en­haus nicht abzu­ge­ben, son­dern in der Lösch­grup­pe Voll­me zu sta­tio­nie­ren. Auf­grund der zuneh­men­den Unwet­ter- und Wald­brand­la­gen sind der­art gelän­de­gän­gi­gen Fahr­zeu­ge sehr wich­tig — und bie­ten gegen­über moder­nen Exem­pla­ren auch eini­ge Vor­tei­le. Kurz­um: “Pep­pel”, so der Spitz­na­me des alten Uni­mog, bleibt. Nur eben in einem ande­ren Gerä­te­haus. Denn in Neu­en­haus ist bekannt­lich “Emma” ein­ge­zo­gen! Nach wie vor kein The­ma für die Kier­sper Wehr ist eine eige­ne Dreh­lei­ter. Auch wenn die­se aus Pres­ti­ge­grün­den immer mal wie­der ange­spro­chen wird, ist klar: Dafür gibt es ange­sichts der guten und schnel­len Unter­stüt­zung aus Mei­nerz­ha­gen, aber auch aus Mari­en­hei­de und Hal­ver ein­fach kei­nen wirk­li­chen Bedarf.

Die Erneue­rung des Fuhr­parks ist inzwi­schen sehr weit fort­ge­schrit­ten. Foto: Mar­kus Klüm­per
Auch die Absi­che­rung von Ret­tungs­hub­schrau­ber-Ein­sät­zen beschäf­tig­te die Feu­er­wehr. Foto: Mar­kus Klüm­per

Wäh­rend vie­le Feu­er­weh­ren Nach­wuchs­sor­gen haben, ist das in Kierspe kein wesent­li­cher Punkt: “Für die Kin­der­feu­er­wehr haben wir War­te­lis­ten, und auch die Jugend­feu­er­wehr ist voll”, freut sich Chris­ti­an Schwan­ke. Das heißt aber kei­nes­wegs, dass damit alle Per­so­nal­pro­ble­me für die Zukunft vom Tisch sind: “Bei wei­tem nicht jeder wech­selt von der Jugend­feu­er­wehr in den akti­ven Dienst”, so Schwan­ke. Und nicht weni­ge Jugend­li­chen wür­den abwin­ken, wenn sie hören, dass die Arbeit bei der frei­wil­li­gen Feu­er­wehr unent­gelt­lich sei. Dar­über hin­aus sieht man in Kierspe die Not­wen­dig­keit, die Jugend­feu­er­wehr inhalt­lich neu zu struk­tu­rie­ren. Als pro­ble­ma­tisch erwei­se sich die Alters­vor­ga­be von 11 bis 17 Jah­ren. Die Älte­ren müs­se man schon auf den akti­ven Dienst vor­be­rei­ten, die Jüngs­ten sind eigent­lich in der Kin­der­feu­er­wehr bes­ser auf­ge­ho­ben. Die Idee, Gleich­alt­ri­ge in Grup­pen zusam­men­zu­fas­sen, klingt viel­ver­spre­chend, stellt aber wie­der die Fra­ge nach der Betreu­ung.
Nicht nur der Wahr­neh­mung in der Öffent­lich­keit, son­dern auch der Nach­wuchs­ge­win­nung die­nen die Social-Media-Akti­vi­tä­ten. Hier hat die Kier­sper Wehr eine Men­ge getan, muss­te aber auch fest­stel­len: “Die Jugend­li­chen errei­chen wir nicht mit Face­book oder Insta­gram”, da dort eher ande­re Alters­klas­sen unter­wegs sei­en, so Schwan­ke. Damit auch der direk­te Kon­takt zu den Men­schen in Kierspe gepflegt wird, ste­hen schon zwei Ter­mi­ne für Feu­er­wehr­fes­te im Kalen­der: Am 26. Juni lädt der Lösch­zug Stadt­mit­te zu einem Pick­nick ins neu­en Gerä­te­haus, am 28. Juli fei­ert die Lösch­grup­pe Neu­en­haus ihr Som­mer­fest. Die Akti­vi­tä­ten in Voll­me hän­gen noch maß­geb­lich von der Fer­tig­stel­lung des neu­en Gerä­te­hau­ses ab, und der Lösch­zug 4 in Rön­sahl plant der­zeit noch.
Der Rutsch ins Jahr 2024 blieb rück­bli­ckend für die Feu­er­weh­ren im Vol­me­tal sehr ruhig. Doch die Brand­stif­tung an der Kier­sper Gesamt­schu­le in der Sil­ves­ter­nacht zeigt: Man muss eigent­lich immer auf Alles vor­be­rei­tet sein. Das wird die Kier­sper Feu­er­wehr in ihren Übungs­diens­ten immer wie­der berück­sich­ti­gen!

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