3. März 2024
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Haushaltrede der FWG sorgt für Eklat im Stadtrat

KIERSPE (mk) Die aktu­el­le Ver­kehrs­si­tua­ti­on in der Rauk­stadt, der Haus­halt 2024 und die Anpas­sung der Eltern­bei­trä­ge für die Offe­nen Ganz­tags­schu­len: Auf der Agen­da der 19. Rats­sit­zung stan­den Beschluss­vor­la­gen für eine gan­ze Rei­he von bri­san­ten The­men. So waren von der­zeit 35 gewähl­ten Rats­her­ren- und Frau­en auch 31 anwe­send, um dar­über abzu­stim­men. Zumin­dest über die Ent­schei­dun­gen, die der Stadt­rat selbst tref­fen kann.

Dazu zäh­len mög­li­che Aktio­nen zur Beru­hi­gung der Ver­kehrs­la­ge nur bedingt. Zwar wur­de von der UWG ein Antrag auf “ver­kehrs­len­ken­de Maß­nah­men” im Bereich der Köl­ner Stra­ße (B237) sowie der Fried­rich-Ebert-Stra­ße (L528) ein­ge­bracht, der von den ande­ren Frak­tio­nen auf brei­te Zustim­mung stieß, aber damit erst am Anfang einer lan­gen, büro­kra­ti­schen Rei­se steht. Wel­che Etap­pen­zie­le dabei erreicht wer­den kön­nen, bleibt abzu­war­ten, ange­sichts der zahl­rei­chen ange­streb­ten Maß­nah­men zur Ver­bes­se­rung der Ver­kehrs­si­tua­ti­on in Kierspe. Quer durch alle Frak­tio­nen fühlt man sich dabei vom Mär­ki­schen Kreis und von der Lan­des­re­gie­rung im Stich gelas­sen. Stef­fen Wie­land (UWG) bringt es auf den Punkt: “Ich höre immer nur geht nicht, kön­nen wir nicht, wol­len wir nicht.” Für Lüden­scheid hin­ge­gen wür­den sich immer Lösun­gen fin­den las­sen. In ähn­li­chem Wort­laut äußert sich auch Armin Jung, der Vor­sit­zen­de der FDP-Frak­ti­on. Deut­li­che­re Wor­te wählt Peter Chris­ti­an Schrö­der: “Am bes­ten machen wir Kierspe zu und schmeis­sen den Schlüs­sel weg.” Im Ver­lauf der Rats­sit­zung griff der Frak­ti­ons­vor­sit­zen­de der FWG noch zu dras­ti­sche­rem Voka­bu­lar.

Zu Beginn der Rats­sit­zung hat­te Bür­ger­meis­ter Stel­se berich­tet, wel­che Neu­ig­kei­ten es rund um den The­men­kom­plex “Ver­kehrs­si­tua­ti­on” zu ver­mel­den gibt. Ent­ge­gen der eige­nen Ein­schät­zung des Bür­ger­meis­ters nicht wenig, wie Rats­herr Oli­ver Busch fin­det. Bereits fünf­mal wur­den die erst neu instal­lier­ten Pol­ler an der Fried­rich-Ebert-Stra­ße umge­fah­ren und muss­ten ersetzt wer­den. Ampel­blit­zer zur Erfas­sung von Rot­licht-Ver­stö­ßen wur­den vom Kreis abge­lehnt, und die Fein­staub­be­las­tung auf der Köl­ner Stra­ße sowie der Fried­rich-Ebert-Stra­ße reicht nach Berech­nun­gen des Lan­des­am­tes für Natur‑, Umwelt- und Ver­brau­cher­schutz (LANUV) nicht aus, um Kierspe in die Mess­stel­len­pla­nung für das kom­men­de Jahr ein­zu­be­zie­hen. Immer­hin: Der Neu­bau der Behelfs­brü­cke nahe der Kreu­zung von B54 und B237 wird wohl bald aus­ge­schrie­ben. Eine Infor­ma­ti­on, die Hol­ger Scheel (CDU) “wegen des bes­se­ren Ver­ständ­nis­ses nach­frag­te”, schließ­lich sei die Fer­tig­stel­lung ja bereits für Ende des ver­gan­ge­nen Jah­res ver­spro­chen wor­den.

Eine kurio­se Wen­dung gab es hin­sicht­lich der Kenn­zeich­nungs- und Kas­tra­ti­ons­pflicht für frei­lau­fen­de Kat­zen, die die Frei­en Wäh­ler for­der­ten. Im Vor­feld gab dazu brei­te Zustim­mung der ande­ren Rats­frak­tio­nen, ledig­lich in Detail­fra­gen wur­de “jus­tiert”. Als jedoch über die Beschluss­vor­la­ge abge­stimmt wer­den soll­te, kam plötz­lich ans Tages­licht, dass dies offen­bar über­haupt nicht nötig ist. Hol­ger Scheel, der nach eige­nem Bekun­den den Antrag in der Sache durch­aus unter­stützt, recher­chier­te, denn ihm kam das The­ma bekannt vor. So kam her­aus, dass bereits vor 11 Jah­ren ein ent­spre­chen­der Beschluss an die Ver­wal­tung ging. War­um die Sache sei­ner­zeit unter dem dama­li­gen Bür­ger­meis­ter Frank Emde nicht wei­ter­ver­folgt wur­de, ließ sich ad hoc nicht klä­ren. Sein Nach­fol­ger Olaf Stel­se will nun prü­fen las­sen, ob der dama­li­ge Beschluss noch gül­tig sei, um die not­wen­di­ge Geneh­mi­gung der Bezirks­re­gie­rung zu bean­tra­gen.

Wäh­rend das vor­her­ge­hen­de The­ma zügig und unter all­ge­mei­nem Kon­sens vor­läu­fig abge­hakt wur­de, erhitz­ten sich rund um den vor­ge­leg­ten Haus­halt 2024 die Gemü­ter. Nicht um die Beschluss­vor­la­ge selbst, denn die Arbeit der Ver­wal­tung um Bür­ger­meis­ter Stel­se und Käm­me­rin Kers­tin Stein­haus-Derksen wur­de in den Haus­halts­re­den posi­tiv beur­teilt. Selbst FWG-Frak­ti­ons­chef Schrö­der hat­te an dem Zah­len­werk kon­kret nicht aus­zu­set­zen. Wohl aber an eini­gen Fak­to­ren, die den Haus­halt belas­ten. Nicht nur in Kierspe, son­dern in vie­len ande­ren Kom­mu­nen auch. Tra­di­tio­nell wer­den Haus­halts­re­den auch genutzt, um auf das “Gro­ße, Gan­ze” ein­zu­ge­hen. Dabei kom­men wid­ri­ge Umstän­de in der Wirt­schaft oder eben auch die Fol­gen des jüngs­ten Cyber­an­griffs zur Spra­che.

Die Haus­halts­re­de von Peter Chris­ti­an Schrö­der hallt aller­dings nach und führ­te dazu, dass Anke Pies (Bünd­nis 90 / Die Grü­nen) und Oli­ver Busch (SPD) aus Pro­test kurz­zei­tig den Rats­saal ver­lie­ßen. Im Wesent­li­chen äußer­te sich Schrö­der zu Aus­ga­ben, die den Haus­halt der Stadt Kierspe belas­ten wür­den, für die Städ­te und Kom­mu­nen aber nach Ansicht sei­ner Par­tei zu Unrecht her­an­ge­zo­gen wür­den. Wäh­rend man­cher die genann­ten Punk­te auf Sach­ebe­ne durch­aus für dis­ku­ta­bel hielt, wur­de die Rhe­to­rik des FWG-Frak­ti­ons­vor­sit­zen­den aller­dings als zu popu­lis­tisch auf­ge­fasst. “Hier kom­men­tiert die Alter­na­ti­ve für Kierspe”, ent­geg­ne­te Hol­ger Scheel dar­auf­hin.

Schrö­der hat mit For­mu­lie­run­gen wie “soge­nann­te Flücht­lin­ge” nicht nur der Asyl- und Migra­ti­ons­po­li­tik einen Sei­ten­hieb ver­passt, son­dern auch noch in Rich­tun­gen ver­bal aus­ge­teilt, die über­haupt kei­nen Bezug zu Haus­halt und Finan­zen haben. So wur­den dem Lei­ter der Gesamt­schu­le “faschis­to­ide und men­schen­ver­ach­ten­de Mit­tel” unter­stellt, mit der Johan­nes Heint­ges die Indok­tri­na­ti­on von Schü­lern betrei­ben wür­de. An der GSKi wur­de kürz­lich mit einer spek­ta­ku­lä­ren Akti­on auf dem Schul­hof auf­ge­zeigt, wie vie­le Men­schen von den aktu­el­len Abschie­be-Plä­nen rech­ter Par­tei­en und Grup­pie­run­gen betrof­fen sei­en. Die Akti­on war in der Aus­füh­rung nicht unum­strit­ten, der Sinn und Zweck aber all­ge­mein befür­wor­tet wor­den. Die aller­orts bei­na­he täg­lich aus­ge­rich­te­ten Demons­tra­tio­nen und Kund­ge­bun­gen zum Erhalt der Demo­kra­tie wur­den von Schrö­der als “Grup­pen­ku­scheln gegen rechts” ein­ge­ord­net — und als “von der Regie­rung bestell­te Mas­sen­de­mons­tra­tio­nen.”

All­ge­mei­ne Kri­tik an der Lan­des- und Bun­des­po­li­tik gehört zu Haus­halts­re­den auch in Kom­mu­nen dazu, sofern sie sach­lich for­mu­liert ist. Unüb­lich hin­ge­gen sind Kom­men­ta­re des Bür­ger­meis­ters zu den Anspra­chen der Frak­ti­ons­vor­sit­zen­den. Bür­ger­meis­ter Olaf Stel­se, der von Schrö­der als “gelern­ter Beam­ter” bezeich­net wur­de, der als sol­cher “Anord­nun­gen von oben” ohne Mur­ren befol­gen wür­de, mach­te dies­mal aber eine Aus­nah­me. Er äußer­te kla­res Unver­ständ­nis und hof­fe, das “in Zukunft nicht mehr mit der­ar­ti­gen Paro­len gear­bei­tet” wür­de.

Letzt­lich wur­de der Haus­halt 2024 vom Rat abge­seg­net, wenn auch nicht mit einer so deut­li­chen Mehr­heit wie bei ande­ren Beschlüs­sen. Kon­tro­vers, aber sach­lich blieb es beim The­ma “OGS Eltern­bei­trä­ge”. Die bis­he­ri­ge Gebüh­ren­ord­nung ist nun­mehr 19 Jah­re alt und muss an die gestie­ge­nen Kos­ten der Betreu­ungs­ein­rich­tun­gen ange­passt wer­den. In der Gesamt­sum­me soll die neue Sat­zung dazu füh­ren, dass nicht wie zuletzt 208.000 Euro, son­dern rund 322.000 Euro jähr­lich von den Eltern auf­ge­bracht wer­den müs­sen. Auch dies wur­de beschlos­sen, aller­dings mit einer gro­ßen Zahl Ent­hal­tun­gen. Über die Not­wen­dig­keit einer neu­en Gebüh­ren­ord­nung herrsch­te Einig­keit, zur Aus­ge­stal­tung gab es aller­dings unter­schied­li­che Mei­nun­gen.

Beschlos­sen wur­de wei­ter­hin, das die Ver­wal­tung die Ent­wick­lung eines Neu­bau­ge­bie­tes im Bereich Bord­ing­hau­sen / Astern­weg vor­an­treibt. Nicht nur sei­tens der Frak­ti­on vom Bünd­nis 90 / Die Grü­nen gab es dazu Wider­stand: Es kamen 13 Nein-Stim­men zusam­men. Über eine Per­so­na­lie wur­de bei der Sit­zung aller­dings auch noch ent­schie­den: Kers­tin Stein­haus-Derksen wird zum 1. April all­ge­mei­ne Ver­tre­te­rin des Bür­ger­meis­ters, nach­dem ihre Vor­gän­ge­rin Doret­te Vor­mann-Berg ihren Ruhe­stand ange­tre­ten hat.

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