15. April 2024
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Spannende Weltpolitik bei CDU-Jahresempfang

KIERSPE (mk) Zuge­ge­ben: Die The­men des Gast­red­ners beim Jah­res­emp­fang der CDU im Kier­sper Rat­saal hat­ten kei­nen direk­ten Bezug zum loka­len Gesche­hen. Indi­rekt natür­lich schon, weil sie letzt­lich vie­le Men­schen irgend­wie betref­fen, und vor allem weil sie span­nend sind. Vor allem, wenn ein Insi­der wie der Bun­des­tags­ab­ge­ord­ne­te Jür­gen Hardt dar­über berich­tet. Als Wup­per­ta­ler lebt der Poli­ti­ker nicht weit von Kierspe ent­fernt, konn­te aber als Außen­po­li­ti­scher Spre­cher der CDU/C­SU-Frak­ti­on im Bun­des­tag inter­es­san­te Ein­bli­cke in das aktu­el­le poli­ti­sche Welt­ge­sche­hen geben.

Bevor der Bun­des­tags­ab­ge­ord­ne­te das Wort ergriff, begrüß­te zunächst Hol­ger Scheel als Vor­sit­zen­der des Kier­sper CDU-Stadt­ver­ban­des die zahl­rei­chen Besu­cher, die der Ein­la­dung ins Rat­haus gefolgt waren. Ob es an der über­par­tei­li­chen Zusam­men­ar­beit im hei­mi­schen Rat, der Gesel­lig­keit des Abends oder am Gast­red­ner lag, ist unklar, aber bei wei­tem nicht alle Gäs­te waren erklär­te Christ­de­mo­kra­ten. So waren auch Ver­tre­ter bei­spiels­wei­se von FDP und UWG dabei und man­cher inter­es­sier­ter Bür­ger.

Hol­ger Scheel begrüß­te die zahl­rei­chen Gäs­te im Rats­saal. Foto: Mar­kus Klüm­per

Wer nun erwar­te­te, Jür­gen Hardt wür­de mit eini­gen Din-A4-Sei­ten einen kur­zen Über­blick über das aktu­el­le Welt­ge­sche­hen geben, und des­sen Aus­wir­kun­gen für Deutsch­land ana­ly­sie­ren, wur­de eines Bes­se­ren belehrt. Statt eines Über­blicks gab es teils tie­fe Ein­bli­cke, und der Aus­sen­po­li­ti­ker refe­rier­te ledig­lich mit einem Notiz­buch als Vor­la­ge. Den­noch schaff­te er es, sei­nen Vor­trag aus­führ­lich und span­nend zu gestal­ten. Ganz oben auf sei­ner Agen­da stan­den natür­lich Russ­land, Putin und der Ukrai­ne-Krieg: “Der größ­te Stö­ren­fried ist dort die poli­ti­sche Füh­rung, nicht das Volk”, lau­tet dies­be­züg­lich sei­ne Ein­schät­zung. Über­ra­schen­der ist aller­dings sei­ne Ansicht, Deutsch­land habe es ver­säumt, die Men­schen in Russ­land zu Zei­ten von Gor­bat­schow und Jel­zin für die Demo­kra­tie zu begeis­tern. Sei­ne Pro­gno­se, wel­che Fol­gen ein Sieg Russ­lands in der Ukrai­ne haben könn­te, ver­ur­sach­te man­che Sor­gen­fal­te.

Der Bogen zum Iran und zum Nah-Ost-Kon­flikt war schnell gespannt. Hardt sieht im Land Iran einen tech­no­lo­gisch hoch­ge­rüs­te­ten Aggres­sor und Unter­stüt­zer des Ter­rors. In die­sem Zusam­men­hang gab es auch einen der weni­gen Sei­ten­hie­be an die Regie­rungs­par­tei­en in Ber­lin: “Es ist ein Skan­dal, dass das Ira­ni­sche Zen­trum in Ham­burg noch nicht geschlos­sen wur­de. Ich dach­te, Olaf Scholz hät­te einen engen Bezug zum dor­ti­gen Senat”, spielt Hardt dar­auf an, dass der Bun­des­kanz­ler frü­her ers­ter Bür­ger­meis­ter der Han­se­stadt war.

Sehr ver­hal­te­nen Opti­mis­mus gab es zum The­ma “Chi­na”. Die dor­ti­ge Staats­füh­rung beschreibt Hardt als gezwun­ge­ner­ma­ßen kom­pro­miß­be­reit, aber hin­sicht­lich eines mög­li­chen Tai­wan-Krie­ges kön­ne aller­dings kei­ne Ent­war­nung gege­ben wer­den (Anmer­kung der Redak­ti­on: Tai­wan wur­de zwi­schen­zeit­lich oben­drein von einem schlim­men Erd­be­ben heim­ge­sucht).

Jür­gen Hardt, aus­sen­po­li­ti­scher Spre­cher der CDU/C­SU-Frak­ti­on im Bun­des­tag. Foto: Mar­kus Klüm­per

Ein düs­te­res Sze­na­rio zeich­ne­te der Bun­des­tags­ab­ge­ord­ne­te zur Lage in den USA, ins­be­son­de­re hin­sicht­lich der anste­hen­den Prä­si­den­ten­wahl. Sei­ne Aus­sa­ge, “die ein­zi­ge Chan­ce auf Bidens Wie­der­wahl lau­tet Trump” macht deut­lich, dass er von bei­den Kan­di­da­ten kei­ne über­mä­ßig hohe Mei­nung hat. Schluss­end­lich wid­me­te sich Hardt in sei­nem Vor­trag auch Euro­pa und Deutsch­land. Er hofft, dass Euro­pa dem­nächst wie­der eine “Ver­an­stal­tung des Wachs­tums wird” und weist dar­auf hin, dass Deutsch­land ein­mal wirt­schaft­li­cher Spit­zen­rei­ter in der EU war, aber aktu­ell mit einem Real­wachs­tum von 0,1% das Schluss­licht dar­stel­le. Sei­ne Hoff­nung beruht auf der anste­hen­den Wahl des Euro­pa­par­la­men­tes im kom­men­den Juni. Von einem guten Abschnei­den der Euro­päi­schen Volks­par­tei, wozu auch die CDU und CSU gehö­ren wür­den, ver­spricht sich Hardt eine aus­ge­spro­chen wirt­schafts- und frei­heits­ori­en­tier­te Poli­tik in der EU. Von den Zuhö­rern wur­de Jür­gen Hardt mit einer Men­ge Applaus belohnt.

Bevor es zum inof­fi­zi­el­len Teil des Jah­res­emp­fangs ging, hat­ten Hol­ger Scheel und Mar­kus Pem­pe noch zwei wesent­li­che Punk­te im Abend­pro­gramm. Zunächst wur­de Horst Becker geehrt. Der frü­he­re Orts­vor­ste­her von Rön­sahl wur­de nun end­gül­tig in den poli­ti­schen Ruhe­stand ver­ab­schie­det. “Bereits zum drit­ten Mal”, wie sein Nach­fol­ger Scheel anmerk­te, nach­dem er zuvor mit Beckers humor­vol­ler Sei­te “kon­fron­tiert” wor­den war. Zwei­fels­oh­ne darf man Horst Becker als Urge­stein der hei­mi­schen Poli­tik bezeich­nen, der vor nun­mehr 50 Jah­ren in die CDU ein­ge­tre­ten ist, und ein Jahr spä­ter Rats­mit­glied der Stadt Kierspe wur­de. Zum Abschied gab es viel Dank und einen schwe­ren Prä­sent­korb.

Horst Becker wur­de von Mar­kus Pem­pe und Hol­ger Scheel für sein poli­ti­sches Wir­ken geehrt. Foto: Mar­kus Klüm­per

Eine wei­te­re Ehrung ging an die­sem Abend nach Rön­sahl: Den Bür­ger­preis der CDU Kierspe erhält im Jahr 2024 der Strand­bad­ver­ein Rön­sahl e.V. für den Erhalt der dor­ti­gen Erho­lungs­an­la­ge. Die­se wird seit etli­chen Jahr­zehn­ten von einer über­schau­ba­ren Grup­pe Rön­sah­ler Bür­ger gehegt und gepflegt. Für die ehren­amt­li­che Arbeit an die­sem “Juwel” gab es eine Urkun­de und einen Preis, der man nach den Wor­ten Hol­ger Scheels durch­aus in “flüs­si­ges Gold umwan­deln” kön­ne.

Für den Strand­bad­ver­ein Rön­sahl e.V. gab es den dies­jäh­ri­gen Bür­ger­preis der CDU Kierspe. Foto: Mar­kus Klüm­per