MEIN KIERSPE stellt Berichterstattung ein
In eigener Sache: Lokale Nachrichtenportale funktionieren in vielen Gegenden Deutschlands — in der Raukstadt leider nicht. Zumindest nicht so, wie es MEIN KIERSPE Ende 2023 begonnen hat. Darum wird der Betrieb in der bisherigen Form hiermit eingestellt. Die Gründe, die im Detail dazu geführt haben, dürfen aber dem einen oder anderen zu denken geben.
Diesen Abschied schreibe ich nicht mit einer Ortsmarke, und ich deklariere ihn auch nicht als Kommentar. Dabei steckt hier viel meiner persönlichen Meinung drin. Ich, Markus Klümper, habe mit MEIN KIERSPE ein eigenes, kleines Nachrichtenportal auf die Beine gestellt. Das lief auch gut an, insbesondere durch reichweitenstarke Themen aus dem Genre “Blaulicht” wurde ich schnell bekannt. Leider machte ich auch schnell einige sehr negative Erfahrungen: Der Mensch ist nicht sehr verlässlich, insbesondere nicht als Kunde. Dass ich kurz nach meinem Start sehr krank wurde (damals ging ein fieser Virus um, der auch mich hart traf), hat insbesondere meine Vermarktung völlig aus dem Konzept gebracht. Werbekunden, die von MEIN KIERSPE begeistert waren und das Portal unterstützen wollten, sind mir abgesprungen. Alle! Dabei bot MEIN KIERSPE für eine hochinteressante Klientel extrem günstige Werbekonditionen.
Ärgerlicher war allerdings etwas anderes, und das hat dem Projekt letztlich das Genick gebrochen: Während die Zusammenarbeit mit einigen Institutionen hervorragend funktionierte, wurde MEIN KIERSPE von anderen regelrecht ignoriert. Aus der größten Kiersper Facebook-Gruppe wurde ich rausgeworfen, weil ich eine andere Meinung als der Moderator zu einem unspektakulären Thema der Wirtschaftswelt hatte. Leider — auch das ist eine krude Erfahrung — muss man heutzutage gefühlt jeden Leser von Facebook zum Portal “übertragen”. Einmal am Tag oder wenigstens alle paar Tage mal ins Nachrichtenportal des Ortes zu schauen? Das passiert praktisch leider nicht. Erst, wenn man in den sozialen Medien ein spektakuläres Thema teasert, dann lesen die Menschen im Portal weiter.

Wirklich sprachlos machen aber die Erfahrungen mit bestimmten Gruppierungen. Von einem Kiersper “Verein”, über den ich in der Vergangenheit intensiv und mit viel Aufwand sehr positiv berichtete (weit intensiver als die anderen Medien am Ort), erreichten mich keinerlei Einladungen oder Terminhinweise mehr. Darauf angesprochen bekam wurde mir wörtlich gesagt, “…auch denke ich, dass wir frei sind darin, wen wir wann informieren/einladen”. Herzlichen Dank an dieser Stelle, kann ich nur sagen. Immerhin handelt es sich um eine Institution, die derzeit genauso unter “Abonnentenschwund” und Vertrauensmangel zu leiden hat, wie der Journalismus. Besonders ärgerlich: Wenn es darum geht, um kostenlose Fotos zu bitten, wußte man sehr wohl, wo ich zu finden bin.
Ich bin es auch ehrlich gesagt leid, in dieser Stadt etwas bewegen zu wollen, wo einzelne das Bedürfnis haben, anderen im Weg zu stehen und auszubremsen. Aus diesem Grund lehne ich es ab, einen Mitgliedsbeitrag für einen Verein. zu bezahlen, der zwar in einigen Bereichen wirklich tolle Arbeit macht, aber andere Themen, insbesondere die in den eigenen Statuten fest verankerte Förderung der heimischen Wirtschaft, komplett unter den Tisch fallen lässt. Und gleichzeitig Mitglieder ausbremst, aber über mangelnde Manpower klagt. Sorry, aber ich habe keinen Hund, daher lehne ich es ab, für Hundekotbeutel zu bezahlen. Auch sonst kommen aus dem Rathaus merkwürdige Impulse. Städtische Mitteilungen zu veröffentlichen, die die Stadt selbst zeitgleich auf Social Media postet, ist vergebliche Liebesmüh. Dieselbe Stadtverwaltung, die sich nun selber als Medium probiert und einen im journalistischen Stil verfassten Bericht über ein neues Taxi-Unternehmen am Ort veröffentlicht. Übrigens eine Art und Weise, die ein erfahrener Zeitungsredakteur hinter vorgehaltener Hand als “möglicherweise justiziabel” bezeichnet.
Diese täglichen Erfahrungen führen zu einer Menge Frust und kosten gerade mich mit meiner 1‑Mann-Redaktion unnötig Zeit und Nerven. Und zwar die Zeit und Nerven, die mir am Ende fehlten, um Werbekunden zu suchen, mit denen diese Arbeit eigentlich finanziert werden sollte. Denn: Für die Leserinnen und Leser war mein Service immer kostenlos. Die Wertschätzung für meine Arbeit, für die ich fachlich viel Zuspruch bekam, war groß. In Herscheid, in Meinerzhagen, in Halver. Nur leider nicht in Kierspe. Daraus ziehe ich nun die Konsequenzen. Allen, die mich unterstützt haben, danke ich an dieser Stelle sehr. Mein-kierspe.de wird noch eine Weile online bleiben, aber in Kürze zu einem anders ausgerichteten Portal umgebaut.
Nun ist es kein Beinbruch, mit einem Projekt eine Bauchlandung zu machen. Für das Scheitern andere verantwortlich zu machen, ist an sich auch kein feiner Zug — und das tue ich hier auch nicht, obgleich sich mein Kommentar vermutlich so liest. Doch wenn man als Unternehmer entnervt aufgeben muss, weil man an den aussergewöhnlich frustrierenden Rahmenbedingungen seiner Heimatstadt scheitert, dann sollte es schon erlaubt sein, dies auch in Worte zu fassen.
Mit herzlichen Grüßen,
Ihr / Euer Markus Klümper